Autohändler wollen scheinbar keine Autos verkaufen

29. Mai 2012

Autohändler wollen scheinbar keine Autos verkaufen Autohändler wollen scheinbar keine Autos verkaufen

Autohändler wollen scheinbar keine Autos verkaufen

Wir brauchen einen Zweitwagen. Ein gebrauchter Selbstzünder soll es sein, mit ein wenig Komfort drin. Schließlich soll damit jeden Tag eine längere Strecke gependelt werden. Also Klima, Sitzheizung, Bluetooth, PDC versteht sich von selbst. In die engere Wahl haben wir dabei die sogenannten deutschen Premium-Marken genommen. Aber auch Franzosen wollten wir uns ansehen. Also wurde am Samstag eine Tour durch diverse Autohäuser unternommen. Mit Ernüchterung.

Zunächst wurden wir beim örtlichen Franzosen vorstellig. Lokale Wirtschaft unterstützen und so. In einer kleinen Kabine saß der mäßig motivierte Vertriebsmensch den ich kurz nach passenden Fahrzeugen interviewt habe. Ich stand im Türrahmen und er blieb sitzen. Er hätte derzeit nichts Passendes. Ich solle aber meine Nummer da lassen, er würde sich melden, wenn was rein käme. Wir brauchen aber jetzt ein Fahrzeug und nicht, wenn mal was rein kommt. Und ich hätte mich auch gefreut, wenn man uns hereingebeten hätte. Hinsetzen und so. Schließlich will man ja nicht für 10 Euro eine CD kaufen.

Nächstes Ziel war ein größeres Autohaus einer Münchener Premium-Marke. Hier kam der Verkäufer beim Betreten des Hauses zwar direkt auf uns zu, schickte uns aber auf Nachfrage nach gebrauchten Fahrzeugen erstmal in die obere Etage. Ich dachte, dort würde uns der Experte für Gebrauchtwagen empfangen, aber außer Autos war dort nichts zu sehen. Zumindest fanden wir hier einen interessanten Wagen, den wir uns gerne näher angesehen hätten. Blöd nur, dass wir dazu wieder nach unten mussten um den Verkäufer zu holen. Er kam dann, öffnete uns das Fahrzeug und wir durften Platz nehmen. Blauäugig wie wir als zahlende Kundschaft so sind, fragten wir sodann nach einer Probefahrt. Sofort natürlich. Nein, aber wir könnten in der kommenden Woche einen Termin machen. Aber nur bis 17 Uhr. Dass das unpassend ist weil wir ja berufstätig sind, schien dem Verkäufer seltsam. Aber irgendwie muss das Geld für das Auto ja auch verdient werden. Und dass wir eigentlich vor hatten, bis dahin einen Kaufvertrag unterschrieben zu haben bzw. das angemeldete Fahrzeug bereits abzuholen schien ebenfalls undenkbar. Unser Geld wollte er also nicht haben.

Im nächsten Autohaus war das Engagement des Verkäufers auch eher zurückhaltend. Wir bekamen den Schlüssel eines Fahrzeugs das uns interessant erschien, wurden damit aber allein gelassen. Weitere Fragen zum Wagen konnten wir erst klären, als wir den Verkäufer wieder gefunden hatten. Und eine sofortige Probefahrt war natürlich ebenfalls undenkbar. Ob es noch andere vergleichbare Fahrzeuge gäbe? Da müsse er mal nachschauen aber wir könnten ja auch selber mal im Internet schauen. Wir waren aber gerade im Real Live und wollten vor Ort Infos haben. Also wieder war kein Interesse am Verkauf zu erkennen.

So ähnlich ging uns das noch in ein paar weiteren Autohäusern. Teilweise war nicht mal ein Verkäufer zu finden. Probefahrten gingen sowieso nur nach Absprache und mit Termin. Am besten sogar mit mehreren Tagen Vorlauf. Dass wir möglichst schnell ein Auto kaufen wollen schienen die Verkäufer nicht zu verstehen. Aber scheinbar sind fünfstellige Summen, die man bereit ist auszugeben, nicht mal einen Kaffee wert. Angeboten wurde uns zumindest keiner.

Dem deutschen Autohandel scheint es einfach viel zu gut zu gehen. Achtung, Kunde droht mit Auftrag.

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6 Kommentare

  1. 1 LittleMissSunshine

    30. Mai 2012, 09:53 Uhr

     

    http://die-kuechenfee.blogspot.com

    So ähnlich ging es uns auch vor ein paar Jahren, als wir uns für einen Audi A4 Avant interessierten.
    Wir brauchten den Wagen erst 3 Monate später. Da wurden wir vertröstet, dass man sich dazu nochmal in 4-6 Wochen zusammen setzen könnte. In einem anderen Autohaus saßen die Verkäufer zusammen und tranken Kaffee, kümmerten sich aber nicht um die Kunden. Einen A4 Avant gab es dort auch nicht zum ansehen. Der war angeblich gerade verkauft worden. ;-)
    Und im nächsten Autohaus war der Verkäufer nicht mal anwesend, als wir zum vereinbarten Termin kamen. :-(
    Schlechte Erfahrungen haben wir mit vielen Audi-Händlern gemacht, so dass wir nachher bei einer anderen Marke gelandet sind.
    Bei Audi kann ich lediglich "Hölter" in Viersen empfehlen. Dort hatten wir keinen Termin und die Verkäufer waren alle im Gespräch. Um die Wartezeit zu überbrücken hat man uns dort sogar angeboten eine Probefahrt in der Zwischenzeit zu machen.
    Es ist also auch schwer sein Geld für einen Neuwagen loszuwerden. Und ich kriege jetzt schon etwas schlechte Laune, wenn ich daran denke, dass wir für nächstes Jahr einen anderen Wagen geplant haben. Scheinbar hat sich auf dem Markt nichts verändert. :-(

  2. 2 Christian

    1. Juni 2012, 18:30 Uhr

     

    Der Ärger ist schon nachzuvollziehen. Aber aus Händlersicht betrachtet, würde man vermutlich größere Anstrengungen unternehmen, wenn man nicht immer wieder die Erfahrung machen würde, dass man seitens der Kunden "verarscht" wird.
    Sehr oft wird Interesse nur vorgetäuscht um eine Probefahrt machen zu können. Bei längeren Fahrten entstehen Diskussionen um die Spritkosten und der Händler muss für die Abnutzung, den Wertverlust und mögliche Beschädigungen(sofern unentdeckt) aufkommen. Viel Risiko für oftmals gar nicht mal viel Ertrag.
    Dann das Thema Beratung. Klar, gehört das zum Fahrzeugkauf dazu - aber auch hier steht Aufwand und Ertrag selten in einem guten Verhältnis. Gerade im Kleinwagenbereich wo die Margen aufgrund der leichten Vergleichbarkeit geringer sind, trifft man auf beratungsintensive Kunden die sich mit Autos im allgemeinen oft kaum beschäftigen. So gibts dann vom Händler einen stundenlangen Crash Kurs in ABS, ESP, Benzin, Diesel mit ergebnisoffenem Ausgang. Ich denke viele Händler warten oft schlichtweg auf den Kunden, der weitgehend schon weiß was er will. Da ist der Aufwand dann aus Händlersicht evtl. etwas absehbarer.
    Der größte Teil der Fahrzeuge dürfte im Kleinwagenbereich über die Masse mit geringen einstelligen Margen(1-5%) verkauft werden. Ein paar wenige gute Verkäufe mit vllt. 10% Marge ermöglichen aber keinem Händler die Aufrechterhaltung seines Geschäfts. Die durchschnittliche Rendite liegt bei unter 1%...

  3. 3 Thomas Mielke

    1. Juni 2012, 21:38 Uhr

    @ThomasMielke

    http://www.mielke.de

    In jedem Baumarkt bekomme ich eine bessere und zuvorkommendere Beratung, auch wenn ich nur einen einfachen Liter Farbe brauche. Und dabei geht es nur um ein paar Euro.

    In einem Autohaus geht es aber in der Regel um fünfstellige Beträge plus langfristige Kundenbindung durch Werkstattdienstleistungen und plus eventuelle Provisionen für Finanzierungs- oder Leasingverträge. Und da erwarte ich als Kunde auch eine entsprechende Beratung. Vor allem, da man ja normalerweise nicht jeden Tag ein Auto kauft.

  4. 4 Victor

    18. September 2012, 11:42 Uhr

     

    Bei mir verfplichte ich den Kunden eine Probefahrt zu machen, ohne kann er kein Fahrzeug kaufen. Manchmal hole ich auch Vorführwagen von Händler-Kollegen die 40 Km weiterweg sind.

    Es hat sich zu 85% bewährt !

    Zwar möchten viele Kunden das Fahrzeug a la Geiz ist geil kaufen, aber dass ist doch nachvollziehbar. Keiner hat Geld zu verschenken.

    Probleme bereiten Kunden, die einem nicht die Wahrheit sagen, sodass es schon an Vortäuschung falscher Tatsachen grenzt. Sowas hat nicht mehr mit Geiz zu tun, dass ist schon Betrug...

  5. 5 Frank

    7. März 2013, 06:46 Uhr

     

    http://www.automobilverkaeufer-blog.de

    Hallo Thomas,
    natürlich "höre" und "lese" ich solche Berichte wie von Dir immer wieder - allerdings ist dies was Du Dir vorstellst nicht sooo einfach zu realisieren - eine "sofortige" Probefahrt mit einem gebrauchten Fahrzeug ist rein rechtlich kaum durchführbar - dazu müssten die Autohäuser die Gebrauchtwagen alle (!!!) in einem absoluten technischen Top-Zustand bereitstellen die dann immer sofort auf Probefahrt gehen können - dies kann aber gar nicht der Fall sein - denn alleine durch das "Stehen" der Autos kann der Zustand sich verschlechtern... Es gibt auch Autohäuser die die Fahrzeuge erstmal nur optisch verkaufsfertig machen, dann in die Aussellung stellen und dann erst, wenn sie verkauft sind technisch in ordnung bringen...
    Es ist nicht auszudenken was Du als Kunde empfinden würdest wenn Dir die Bremse durchrutscht, oder - aufgrund der Korrossion einfach erstmal die Bremsen "freibremsen" müsstest... - oder im Auto aufgrund längerer Standzeiten ein Christbaum aufleuchtet der Inspektion & Co. fordert...
    Natürlich gibt es auch rechtlich noch einiges mehr bei Probefahrten mit gebrauchten Fahrzeugen zu beachten, genauso wie die Tatsache dass eine Probefahrt mit "roten" Nummern genauso auch ein Problem darstellen kann etc. etc.
    Ich habe in meinem Blog ein paar Anmerkungen zu Probefahrten mit Neuwagen aufgeschrieben, vielleicht magst ja mal vorbeischauen... ;-)

  6. 6 PeZe

    27. April 2013, 10:07 Uhr

    @zepet72

    servus
    nur damit man als externer einmal mitbekommt, mit was für schwachsinnigen situationen man als verkäufer nahezu täglich konfrontiert wird:
    da kommt soeben ein käufer in´s haus, der im märz seinen neuen bekommen hat, nicht von mir, sondern von meinem kollegen, der heut keinen dienst hat. ist aber auch völlig egal: kunde hat frage, wir sind gern da um diese zu beantworten!
    dieser kunde fragt mich doch original, warum das finanzamt die kfz-steuer noch nicht abgebucht hat!!!
    bitte bedenkt dabei: wir müssen dabei noch ruhig und höflich bleiben!
    mir fällt so langsam nix mehr dazu ein....

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