Auf der diesjährigen Spielwarenmesse hat LEGO eine neue Produktlinie für Mädchen vorgestellt: LEGO Friends. Und darum gibt es jetzt viel Aufregung. Aber warum eigentlich?
Der Vorwurf lautet unter anderem, dass die Produktlinie ein falsches Rollenverständnis vermitteln würde. Und warum denn Alles rosa sein müsse. Laut Angaben von LEGO wurden während der vier Jahre dauernden Entwicklungsphase auch viele Mütter und Töchter nach Ihren Wünschen befragt. Und das Ergebnis ist nun eben diese neue Produktlinie.
Die Kritik daran kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Wenn ich mir die anderen Produktwelten von LEGO – oder auch Playmobil – ansehe, dann sehe ich hauptsächlich eine Zielgruppe: Jungs. Auch wenn diese nicht so direkt adressiert werden wie jetzt die Mädchen bei „Friends“, ist es doch sehr eindeutig. Es gibt Feuerwehr, Polizei, Baustelle, Ritter, Wilder Westen, Star Wars, Ninjas, Roboter, etc. Ein großer Teil davon ist mit Waffen ausgestattet und es geht ums Kämpfen und um Krieg – auch wenn letztere Vokabel nicht direkt anwendet wird.
Warum kritisiert das niemand? Wenn die Kritiker unbedingt gegen falsche Ideale wettern wollen, warum dann nicht auch gegen die vielen bewaffneten Spielsachen? In der Kritik taucht natürlich immer nur auf, dass bei „Friends“ alles rosa ist, dass es einen Beauty-Salon gibt und dass Kuchen gebacken wird. Dass es auch eine Ideenwerkstatt gibt, in der eine der Freundinnen Roboter baut oder dass die Mutter den Rasenmäher bedient, wird nicht erwähnt.
Ich gebe es sogar zu, mir gefällt die neue Produktlinie LEGO Friends. Zum Einen habe ich nichts gegen Spielzeug, dass sich primär erstmal nur an Mädchen oder Jungen richtet und zum Anderen gibt es deutlich kitschigere (Alp-)Träume in rosa und pink. Wer schon einmal mit seiner Tochter durch die Spielwarenabteilungen gelaufen ist, weiß was ich meine. Da gibt es haufenweise mega-kitschige und rosa-gold-glitzernde Einhorn-Phantasie-Welten, bei denen einem schlecht werden kann. Wo bleiben da die ganzen Emanzipations-Wächterinnen?
Dagegen ist LEGO Friends doch wirklich sehr stilvoll umgesetzt. Die Anzahl der rosa- und lilafarbenen Bausteine hält sich Grenzen. Und es handelt sich fast ausschließlich um ganz normale LEGO-Steine, die auch in den anderen Produktwelten Verwendung finden. Und ein paar davon sind eben rosa. Na und? Mädchen mögen das eben. Und wir leben unseren Kindern nicht einmal das Eine oder Andere vor. Das Kinderzimmer ist nicht rosa oder mit Herzen bespickt, aber es hängt auch keine Auto- oder Dinosaurier-Tapete an der Wand. Bei uns ist das recht neutral. Und die Kinder spielen größtenteils gemeinsam mit LEGO oder Playmobil. Trotzdem haben sie ihre eigenen Vorlieben entwickelt. Werkzeug, Polizei und Feuerwehr sowie Pferde, Prinzessinnen und Einhörner. Dreimal dürft ihr raten, wer welche Vorlieben hat. Das Ganze hat sich automatisch so entwickelt, ohne dass wir da irgendwas gesteuert hätten.
Komischerweise wird sich auch immer nur darüber aufgeregt, dass es reines Mädchen-Spielzeug gibt. Nicht aber, dass es auch reines Jungs-Spielzeug gibt. Wie dem auch sei. Bei uns wird es sicher bald das eine oder andere Set aus der „Friends“-Serie geben. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Kinder das ganz schnell mit den anderen LEGO-Sachen kombinieren werden. LEGO bleibt schließlich LEGO.
