Berlin Marathon 2021 – Was für eine Hitzeschlacht...

BMW Berlin Marathon 2021
BMW Berlin Marathon 2021

Jetzt ist es schon über ein halbes Jahr her und nun will ich doch endlich nochmal über den Berlin-Marathon 2021 bloggen – Und das nur wenige Tage vor dem Hamburg-Marathon 2022. Also denken wir uns mal ein halbes Jahr zurück, oder eigentlich erstmal zweieinhalb Jahre, genauer gesagt in den Oktober 2019.

Kurz vor meinem Marathon-Debüt in New York City hatte ich mich nämlich in die Lostrommel für den Berlin-Marathon 2020 geworfen: Ende November 2019 kam dann die freudige Nachricht, dass ich gezogen wurde, also einen der begehrten Plätze für den Marathon durch die Hauptstadt bekommen hatte. Und ein paar Wochen später bekam ich dann sogar noch einen Startplatz für den Chicago-Marathon, bei dem ich mich ebenfalls in die Lostrommel geworfen hatte. Der Herbst 2020 sollte also interessant werden...

Und dann kam Corona

Soweit so gut. Und dann begann das Jahr 2020 und das brachte, wie wir alle wissen, Corona mit. Ein Jahr mit vielen Einschränkungen und wenn überhaupt nur virtuellen Rennen. Aber das Tolle am Laufen ist ja, dass man das eigentlich immer machen kann und kaum von Einschränkungen betroffen ist – von geschlossenen Tartanbahnen oder Läufen in Gruppen mal abgesehen.

Und so konnte ich meine Trainingskilometer gegenüber dem Vorjahr nochmals erhöhen und kann insgesamt 2.582 Kilometer vermelden. Im Jahr 2021 sollten es dann sogar nochmal deutlich mehr Kilometer werden. Da es ja keinen echten Herbstmarathon gab, bin ich im November 2020 erneut den New York City Marathon gelaufen – allerdings virtuell hier bei uns. Dabei wurde ich abschnittsweise von vielen meiner Lauf-Buddys begleitet, sodass es trotzdem ein schöner kleiner Event wurde.

Im Sommer und Herbst 2021 sah es dann ja vorübergehend so aus, als wenn die Normalität endlich zurück kommen würde und so fanden auch endlich wieder einige große Läufe statt. Unter anderem eben auch der Berlin-Marathon. Zwar mit einem reduziertem Teilnehmerfeld und aufgrund weiterhin bestehender Reisebeschränkungen deutlich weniger internationalen Läufern. Aber es war trotzdem ein großes Fest und man konnte allen Teilnehmern die große Freude ansehen, endlich wieder ein echtes großes Rennen zu laufen.

Endlich nach Berlin

Zwar gab es auch im Herbst immer noch einige Absagen von großen Laufveranstaltungen, aber spätestens mit dem Berliner Halbmarathon als erfolgreiche Generalprobe im August war klar, der Berlin-Marathon findet statt! Mit vielen Trainingskilometern und vor allem einer Reihe von Longruns fühlte ich mich gut vorbereitet. Meine Family war mit in Berlin und wir hatten uns in ein Hotel in der Nähe des Potsdamers Platzes eingebucht. Somit war der Start- und Zielbereich prima zu Fuß erreichbar. Für die Anreise nach Berlin hatten wir die Bahn gewählt und sind bereits am Freitag Abend angereist.

Ich bin sowas von Ready! Am Samstag Vormittag ging es dann zur Marathon Expo im ehemaligen Flughafen Tempelhof. Dort gab es die Startnummer sowie die vorab bestellten T-Shirts. Dann ging es noch in den großen Shopping-Bereich des Sponsors Adidas. Abgesehen von der stylischen Jacke bin ich dort allerdings nicht so eskaliert wie seinerzeit in New York...

Anschließend trafen wir noch den René mit seiner Gattin auf ein kleines Alkoholfreies. Danach ging es zurück ins Zentrum mit ein wenig Sightseeing. Spontan hatten wir uns zu einem Besuch im Deutschen Spionagemuseum entschieden. Das war durchaus sehenswert und man hätte noch etwas länger bleiben können. Am frühen Abend waren wir aber zum Pasta-Essen mit Katrin verabredet, die ebenfalls in Berlin gestartet ist. Nach dem Essen endete der Abend dann mit dem Zurechtlegen meiner Sachen für den Raceday und dann ging es relativ zeitig ins Bett.

Raceday

Der Startbereich füllt sich...Der Wecker klingelte früh, aber ich bemühte mich, dem Rest der Family noch etwas Schlaf zu gönnen. Nach der Dusche ging es zum Frühstück, das im Hotel an diesem Tag extra etwas früher als üblich angeboten wurde. Und so war der Frühstücksraum quasi ausschließlich mit Läufern gefüllt.

Meine Startzeit war zwar erst um 10:30h, aber ich wollte trotzdem deutlich früher im Startbereich sein. Die Aufregung und so, Ihr kennt das. Und in der Tat war ich auf meinem kleinen Fußmarsch vom Hotel zum Startbereich bei weitem nicht alleine unterwegs. Aus allen Richtungen strömten Läufer in Richtung Brandenburger Tor bzw. dem Platz vor dem Reichstagsgebäude. Ich hatte gehofft, dort noch Katrin oder das ein oder andere bekannte Gesicht zu treffen, aber irgendwie hat das nicht geklappt.

Gleich geht's loohoos!So bin ich dann doch recht zielstrebig direkt in meinen Startblock und habe dort geduldig mit vielen anderen dem Start entgegen gefiebert. Auch wenn man das unter den Masken nicht sehen konnte, aber die Aufregung und Vorfreude war bei allen deutlich zu spüren. Auf großen Bildschirmen konnte man dann den Start der Elite-Läufer sowie der vorderen Startblöcke verfolgen. Langsam durften wir dann nachrücken, bis wir selber vorne direkt vor der Startlinie standen und auf unser Startsignal warteten.

Und dann gab es kein Halten mehr! Natürlich bin ich direkt viel zu schnell los gerannt, aber irgendwie fühlte es sich gut an. Ja, ich hatte mir das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Marathon unter der magischen Marke von vier Stunden zu finishen. Rückwirkend betrachtet war das vielleicht für meinen zweiten echten Marathon etwas zu ehrgeizig, aber grundsätzlich zumindest kein ganz unrealistisches Ziel. Aber an diesem Tag gab es auch noch einen Parameter, den die meisten Läufer nicht so ganz auf der Agenda hatten: Das Wetter. Aber dazu später mehr.

Das Rennen

Ich lief also mit einer stabilen Pace zwischen 5:20 und 5:30 auf den ersten Kilometern los und ließ mich von den anderen Läufern mitreißen. Also genauso, wie man das eben nicht machen soll. Aber das Adrenalin sorgt halt dafür, dass man sich super fühlt. Allerdings verspürte ich schon nach wenigen Kilometern ein deutliches Durstgefühl, also schon mal kein gutes Vorzeichen für den weiteren Verlauf. Und so warm war es zu Beginn des Rennens ja noch gar nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann die erste Verpflegungsstation und den Becher Wasser nahm ich dankend entgegen. Nur ein paar Meter gehen um sich nicht zu verschlucken und weiter ging es. Im Prinzip lief es noch wirklich gut und ich war auf Kurs. Die 10K-Marke passierte ich nach 55 Minuten. Schnell das erste Gel rein in den Körper und weiter.

Da lief es noch super...Ungefähr bei Kilometer 12 am Strausberger Platz warte zum ersten Mal die Family auf mich. Ein schneller Kuss und weiter ging es. Auch die 15K-Marke war noch kein wirkliches Problem, allerdings verspürte ich bereits einen kontinuierlichen Durst, was ich so eigentlich eher selten habe. Die Halbmarathon-Marke passierte ich mit 1:58:24, also auch noch im Soll. Aber es wurde zunehmend wärmer und bei den Getränkestationen wurde nicht nur getrunken, sondern auch ein großer Teil des kalten Nasses zur Abkühlung über Kopf und Nacken gekippt.

Der Hammer

Dann meldete sich auch mein Magen mit einem unangenehmen Grummeln und ich hatte irgendwie meine Gels in Verdacht, obwohl ich damit eigentlich noch nie Probleme hatte. Bei Kilometer 25 traf mich dann endgültig der Hammer. Ich konnte nach einer Getränkestation einfach nicht mehr weiter laufen und war kurz davor ein Dixi aufzusuchen. Nach ein paar hundert Metern lief ich dann zwar weiter, kam aber nicht mehr richtig auf meine Pace und sehr schnell war klar, dass ich die Sub4 vergessen konnte. Und so gesellte sich eine Gehpause an die Nächste. Irgendwie beruhigend war allerdings, dass es wirklich sehr vielen Läufern ähnlich erging. Zumindest, was den Kampf mit den unerwartet sommerlichen Temperaturen anging. Und so war ich teilweise komplett von ebenfalls gehenden Läufern umgeben.

Die 30K-Marke habe ich immerhin noch mit 2:55:45 überquert, laut Strava sogar eine neue Bestzeit auf diese Distanz. Im Kopf ging inzwischen das Rechnen los. War 4:10 noch möglich oder zumindest 4:15? Zwar hatte sich mein Magen wieder etwas beruhigt, aber die Temperaturen machten mir weiterhin zu schaffen. Es war einfach nicht mehr möglich längere Stücke ohne Unterbrechung zu laufen. Daran konnten leider auch die vielen motivierenden Rufe der Zuschauer nicht viel ändern. Die Stimmung an der Strecke war größtenteils gut. Zwar gab es auch Abschnitte, in denen weniger los war, was mich insbesondere am Potsdamer Platz und am Gendarmenmarkt etwas gewundert hat. Aber spätestens Unter den Linden, als man schon das Brandenburger Tor sehen konnte, war wieder richtig viel los. Damit wurde die allerletzte Restenergie freigesetzt und es war ein tolles Gefühl durch das Brandenburger Tor und jubelnd die letzten paar hundert Meter zum Ziel zu laufen.

Im Ziel

Zusammen mit Katrin glücklich im Ziel.Endlich im Ziel! Es war wirklich hart, aber ich hatte es geschafft! Auch wenn ich mein Wunschziel nicht erreichen konnte, bin ich mit meiner Zielzeit von 4:19:32 absolut zufrieden. Immerhin konnte ich doch meine bisherige Bestzeit um 20 Minuten verbessern!

Ein paar Minuten nachdem ich meine verdiente Medaille in Empfang genommen hatte und mich gerade in Richtung der Zielverpflegung begeben wollte, meldete die Berlin-Marathon-App, dass Katrin soeben ebenfalls ins Ziel eingelaufen war. Also bin ich zurück und konnte Katrin dort abpassen. Sie war ebenso glücklich, endlich das Ziel erreicht zu haben, allerdings hatte sie es geschafft, die gesamte Distanz einigermaßen konstant durch zulaufen. Es fehlte nicht viel und sie hätte mich vermutlich noch auf der Strecke überholt...

Finisher!Dann gab es erstmal das, was man im Zielbereich so macht, also Trinken und Essen sowie Tasche bzw. Poncho abholen und natürlich die Medaille gravieren lassen. Auf der großen Wiese vor dem Reichstagsgebäude war eine tolle Stimmung. Wir trafen dort auch meine Family und genossen gemeinsam noch etwas das sommerliche Wetter, das uns vorher im Rennen so zu schaffen gemacht hatte. Leider konnten wir aber nicht länger bleiben, da wir ja noch die Heimreise antreten mussten. Also ging es erstmal ganz langsam im Watschelschritt zurück zum Hotel und dort unter die Dusche. Danach alles zusammen packen und ab zum Bahnhof. Wir hatten uns den „Luxus“ der ersten Klasse gegönnt und so konnte ich mir auf der Heimfahrt das leckere alkoholfreie Bier direkt am Platz servieren lassen.

Recap

Auf der Wiese vor dem Reichtstagsgebäude. Sieht man nicht, aber ist so.Auch jetzt, mit einem halben Jahr Abstand bin ich immer noch begeistert vom Berlin-Marathon. Mit meinem Ergebnis bin ich wirklich absolut zufrieden, auch wenn ich mir etwas mehr erhofft hatte. Natürlich hatte ich mich sofort wieder für das Jahr 2022 in die Lostrommel geworfen. Zusammen mit Katrin und Andreas als Team. Und Zack! Wir wurden wieder gezogen und dürfen in diesem Jahr noch einmal in Berlin starten. Auch nach dem Marathon habe ich mein Laufpensum nicht wirklich reduziert und so konnte ich das Jahr 2021 sogar mit insgesamt 3.003 gelaufenen Kilometern abschließen!

Nun steht am Wochenende bereits der Hamburg-Marathon auf dem Programm und vielleicht versuche ich dort erneut mein Wunschziel von unter vier Stunden. Das will ich aber wirklich erst vor Ort entscheiden, denn eigentlich ist mein Hauptziel ein konstantes Rennen vom Start bis zum Ziel zu laufen. Grundsätzlich fühle ich mich zwar jetzt nochmal deutlich besser vorbereitet, als vor einem halben Jahr, aber das muss ich natürlich erst noch unter Beweis stellen. Und wenn es in Hamburg nicht klappt, dann ist ja im Herbst wieder der Berlin-Marathon...

Glücklich vor dem Reichtstagsgebäude.
Glücklich vor dem Reichtstagsgebäude.
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