Es macht mich wütend und traurig

#BloggerfuerFluechtlinge
#BloggerfuerFluechtlinge

Was ist los hier in Deutschland? Täglich neue Meldungen über randalierendes Pack, das Flüchtlingsheime angreift oder anzündet. Schlepperbanden, die Flüchtlinge in Lastwagen verrecken lassen. Hunderte von extrem gewaltbereiten, rechtsradikalen Schlägern, die sich nicht mehr verstecken, weil sie sich in ihrer Rolle sicher fühlen.

Die Polizei scheint mit der Situation insbesondere im Osten Deutschlands völlig überfordert. Ich kann mir daher einfach nicht erklären, warum es dort trotz der massiven Gewalt des braunen Mobs keine Festnahmen gab. Anderseits wird ein Journalist verhaftet, weil dieser einen Polizisten fotografiert hat. Da stimmt doch irgendetwas nicht.

Das macht mich wütend und traurig.

Wir müssen etwas tun

Ich bin aber auch davon überzeugt, dass die überwiegende Mehrheit in Deutschland den Flüchtlingen sehr gerne hilft und diese freundlich willkommen heißt. Wenn ich zum Beispiel die überwältigende Spendenbereitschaft hier bei uns in Kaarst sehe, dann fühle ich mich in meiner Annahme bestätigt. Die Lager sind voll und die Stadt nimmt derzeit nur noch Spenden für den konkreten Bedarf an. Das ist toll.

Hier bei uns im Ortsteil Büttgen wurde eigens ein neues Flüchtlingsheim gebaut, in das in den nächsten Tagen die ersten Flüchtlinge einziehen werden. Vor ein paar Wochen gab es dort einen Tag der offenen Tür, bei dem man sich ein Bild von der Lebens- und Wohnsituation in den dortigen Wohncontainern machen konnte. Ich selber war auch dort und war erfreut, dass sich weit über hundert Büttger Bürger vor und in dem Flüchtlingsheim drängelten. Die Stimmung war sehr gut, es war fast eine Art von Vorfreude auf die neuen Nachbarn.

Freifunk für das Flüchtlingsheim

Ich persönlich werde mich übrigens darum kümmern, dass das Flüchtlingsheim mit Freifunk ausgestattet wird. Die Stadt stellt hierzu einen DSL-Anschluss, auf den wir aber gerade noch warten. Ich habe bereits die Router gekauft und mit der Freifunk-Software ausgestattet. Eigentlich müssen diese nur noch aufgestellt werden. Damit können die Flüchtlinge dann ganz einfach mit den Freunden und Verwandten in der Heimat Kontakt halt.

Beim Thema Internet und Handys kommt leider auch immer wieder die Frage auf, wozu die Flüchtlinge das Internet benötigen und warum diese alle ein teures Smartphone haben. Ich will darauf gar nicht näher eingehen, das kann man z.B. hier oder hier nachlesen. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es ohne Internet fast nicht möglich ist, Kontakt mit der entfernten Heimat zu halten.

Wir haben aktuell unser drittes Au-Pair. Unser erstes Au-Pair kaum aus Nepal, das nächste kam aus Madagaskar und derzeit ist die Ukraine bei uns zu Gast. Bei der Auswahl hatten wir aber auch Kontakt zu weiteren Bewerberinnen aus der ganzen Welt. Und alle diese Mädchen haben eines gemeinsam: Wir konnten nicht auf dem klassischen Wege mit ihnen telefonieren. Der Kontakt ging immer über das Internet, genauer gesagt über Skype. Der Grund ist sehr naheliegend. Der Zugang zum Internet ist fast überall auf der Welt viel einfacher und billiger als ein klassischer Telefonanschluss. Dieser ist insbesondere für Auslandsgespräche einfach viel zu teuer. Auch während des Aufenthalts bei uns war das Internet der einzige Weg, um mit der Familie in der Heimat Kontakt zu halten.

Daher ist das Internet so wichtig. Und es kann so einfach sein, den Flüchtlingen etwas von unserer Bandbreite abzugeben.

Ich bin auch ein Flüchtlingskind

Naja, so ganz stimmt das zwar nicht, aber die Familie meines Vaters wurde aus Pommern vertrieben. Meine Oma ist 1945 mit zwei kleinen Kindern (mein Vater und seine jüngere Schwester) mit einem Schiff über die Ostsee geflohen. Dabei wären sie beinahe mit der Gustloff gefahren und wären – wie wir alle wissen – nie angekommen. Es ging zunächst nach Sassnitz auf Rügen und von dort über mehrere Stationen nach Neuss. Wie lange das alles gedauert hat, weiß ich leider nicht. Wir haben ehrlich gesagt viel zu selten darüber gesprochen. Und irgendwie hat die gesamte Generation meiner Großeltern viel zu selten über den Krieg und die Flucht gesprochen. Als Kinder hat uns das natürlich auch nicht so richtig interessiert. Und nun ist es leider nicht mehr möglich.

Mein Vater war damals so alt wie mein Sohn heute. Und sowohl mein Sohn wie auch ich selber sind in einer ganz anderen Welt aufgewachsen. Wir kennen den Krieg nur aus Erzählungen oder dem Fernsehen. Wir selber haben nicht einmal ansatzweise so schreckliche Dinge erlebt, wie unsere Eltern und Großeltern. Wir mussten nie hungern. Wir können uns kaufen was wir wollen. Wir sind frei. Niemand bedroht uns. Niemand hat vor unseren Augen einen Menschen, den wir lieben, misshandelt oder umgebracht. Uns geht es gut, sehr gut. Und selbst wenn es uns nicht gut geht, geht es uns immer noch sehr gut.

#bloggerfuerfluechtlinge

So kann das nicht weiter gehen. Der Mob muss gestoppt werden. Wir müssen etwas tun. Wir müssen lauter sein. Anja Reschke hatte bereits vor zwei Wochen in ihrem viel beachteten Kommentar in den Tagesthemen zum Aufstand der Anständigen aufgerufen. Til Schweiger baut ein Flüchtlingsheim und Joko und Klaas – ich mag die beiden eigentlich nicht unbedingt und finde deren Sendungen eher unlustig – haben gestern mit Ihrem #mundaufmachen-Video ebenfalls eine sehr klare Ansage veröffentlicht. Wir dürfen nicht mehr still sein.

Dazu gehört auch die Initiative Blogger für Flüchtlinge, die von Nico Lumma, Stevan Paul, Karla Paul und Paul Huizing ins Leben gerufen wurde. Die Initiative ruft unter anderem zum Spenden auf. Aber auch dazu, die Botschaft weiter zu verbreiten. Am besten natürlich mit dem Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge. Die Idee hinter #bloggerfuerfluechtlinge ist also nicht nur, über Spendenaktionen für Flüchtlinge zu Informieren, sondern auch, alle Beiträge, die unter diesem Hashtag geschrieben werden, zu sammeln.

Laut sagen, dass Flüchtlinge willkommen sind! Das Grundrauschen der Anständigen muss höher werden.

Refugees Welcome

Wir haben das große Glück in einer wohlhabenden Welt ohne Hunger und Krieg aufgewachsen zu sein und zu leben. Aber wir haben nicht das Recht diesen Wohlstand anderen zu verwehren. Wir haben sogar die moralische und historische Pflicht, anderen davon abzugeben und mit anderen zu teilen.

Deutschland ist ein tolles Land, wir leben gerne hier. Sorgen wir dafür, dass das so bleibt und dass wir uns nicht wieder dafür schämen müssen. Das hatten wir alles schon und das darf sich nie wieder wiederholen.

Refugees Welcome
Refugees Welcome

Bisher 2 Kommentare

  1. Bernd Oehmen

    Bernd Oehmen

     

    www.bernd-oehmen.de

    3. Oktober 2015, 11:57 Uhr

    Hallo Thomas

    Respekt für Deinen Blog!

    Bernd

  2. Frank Hüsgen

    3. November 2015, 09:31 Uhr

    Hallo Thomas,

    du hast die richtigen Worte gefunden. Ich werde nun auch pro Refugees bloggen. Vielleicht denken wir mal über www.schuetzen-gegen-rassismus.de nach.

    Frank

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