Meine kleine Sammlung alter Telefon- bzw. Fernmeldetechnik

Meine kleine Sammlung alter Telefon- bzw. Fernmeldetechnik
Meine kleine Sammlung alter Telefon- bzw. Fernmeldetechnik

Damals, so Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er, habe ich meine Ausbildung gemacht. Ja genau. Ich bin nämlich ausgebildeter Kommunikationselektroniker der Fachrichtung Telekommunikationstechnik. Ein ganz schön sperriger Name. Damals hatte die IHK eine ganze Reihe technischer Ausbildungsberufe überarbeitet und diesen „moderne“ Namen geben. Unser Ausbildungsjahrgang war soweit ich mich erinnere der erste dieser neuen Art. Bis dahin hieß man einfach Fernmeldetechniker oder Fernmeldeelektroniker. Von den Elektrikern – den „Starkströmern“ – auch gerne „Schwachströmer“ genannt. Nun gut.

Im Laufe meiner Ausbildung kam ich so mit diverser alter und neuer Fernmeldetechnik in Berührung. Am meisten beeindruckt haben mich dabei unter anderem die großen alten Wählersäle bei der Deutschen Bundespost, die damals noch Gelb und und nicht Magenta war und natürlich auch noch nicht Telekom hieß. Die Technik in diesen Wählersälen stammte größtenteils noch aus den 1950er Jahren, war aber zur damaligen Zeit noch nicht vollständig durch digitale Vermittlungstechnik ersetzt worden.

Während der Ausbildung hatte ich auch noch mit Brandmeldeanlagen und Ampelsteuerungen zu tun. Hauptsächlich allerdings mit Telefon- bzw. Nebenstellenanlagen, die mich ohnehin am meisten interessierten. Dabei konnte ich dann vereinzelte Geräte oder Teile davon nach deren Ausmusterung vor der Entsorgung retten.

Durch die kürzliche Projektwoche in der Schule meiner Kinder, bei der auch Kommunikation ein Thema war und wo alte Telefone oder Ähnliches als Ausstellungsstücke gesucht wurden, wurde ich wieder auf meine alten Dinge aufmerksam gemacht. Neben diversen alten Telefonen (z.B. W48 oder W611) und Kleinteilen befinden sich folgende interessante „Exponate“ in meiner kleinen Sammlung:

Zugnummernschalter

Zugnummernschalter eingebaut Viele von Euch werden sich sicher noch an die alten Wählscheiben-Telefone erinnern, die in der Regel im Einheitsgrau – oder wenn man Glück hatte in Dunkelgrün oder leuchtendem Orange – in jedem Haushalt zu finden waren. Alle diese Geräte hatten, wie der Name schon sagt, eine Wählscheibe (den sogenannten Nummernschalter), mit der man die gewünschte Rufnummer wählen konnte. Diese Technik war einfach, dafür aber ziemlich „idiotensicher“ in der Bedienung.

Eine Alternative dazu war der sogenannte Zugnummernschalter (oder Trommelwähler) – in diesem Fall ein Gradzugnummernschalter von Siemens & Halske, vermutlich aus den 1930er Jahren. Dieser ist intern ähnlich aufgebaut wie die allseits bekannte Wählscheibe, allerdings ist die Drehachse um 90° gekippt, sodass man mit dem Finger keine kreisförmige Bewegung machen, sondern je nach Ziffer nur entsprechend weit nach unten drücken muss. Diese Technik wurde in normalen Tisch- oder Wandtelefonen allerdings nur sehr selten eingesetzt, sondern kam häufig bei Vermittlungsplätzen (Telefonzentralen) von Nebenstellenanlagen zum Einsatz. Der Vorteil des Zugnummernschalters lag darin, dass sich dieser insbesondere bei intensiver Nutzung viel schneller und komfortabler bedienen ließ. Allerdings liegen die einzelnen Ziffern näher beieinander als bei einer Wählscheibe, die Gefahr des „Verwählens“ war also größer. Im normalen Hausgebrauch war eine Wählscheibe daher praktikabler.

Der Zugnummernschalter, den ich für die Projektwoche zur Verfügung gestellt hatte, war bei den Schülern übrigens ein voller Erfolg.

Edelmetall-Motor-Drehwähler (EMD)

EMD-Wähler von VorneAus einem der oben genannten Wählersäle stammt ein ausgemusterter EMD-Wähler, der ab 1955 im System 55 und System 55v bei der deutschen Post eingesetzt wurde und die Durchschaltung einer Leitung übernahm. Die Wähler wurden im sogenannten Impluswahlverfahren (IWV) angesprochen.

Wenn man also bei einem Telefon mit Wählscheibe die Ziffer einer Rufnummer gewählt hat, hat der EMD-Wähler eine Drehbewegung in entsprechender Schrittzahl durchgeführt und so die entsprechende Leitung gewählt. Hinter dieser Leitung war dann der nächste EMD-Wähler, der dann die Wahl der nächsten Ziffer geschaltet hat. Bei einem Ortsgespräch waren also im Prinzip immer so viele EMD-Wähler beteiligt, wie die Rufnummer Stellen hatte.

Mechanischer Rufnummernspeicher (Telerapid)

Telerapid RufnummernspeicherAuch früher musste man nicht jede Rufnummer per Hand wählen. Dafür gab es damals schon mechanische Rufnummernspeicher. Bei meinem Exemplar – einem Telerapid – ist vor Jahren leider der Deckel aus Bakelit zerbrochen und ich habe diesen wohl entsorgt. Der Zustand ist leider nicht mehr der beste, auch die Zugfeder funktioniert nicht mehr so richtig. Das Gerät hat mir mein Vater irgendwann einmal mitgebracht. Damals hatte die Mechanik allerdings noch funktioniert. Rufnummernspeicher dieser Bauart wurden seit den 1940er Jahren eingesetzt, ich vermute aber, dass dieses Modell aus den 1950er oder 1960er Jahren stammt.

Die Rufnummern wurden dabei auf Impulsscheiben „gespeichert“, die man vermutlich mit einer passenden Stanzvorrichtung „programmieren“ konnte. Diese Impulsscheiben sind in einer Reihe auf einer Achse aufgesteckt und über einen Schieber konnte man die gewünschte Nummer auswählen. Der Wahlvorgang wurde dann über das Spannen der Zugfeder gestartet. Das Gerät hat insgesamt 50 „Speicherplätze“, drei der Impulsscheiben scheinen sogar noch „unprogrammiert“ zu sein.

Relaisgesteuerte Vorzimmeranlage

VorzimmeranlageDas mit Abstand größte und vor allem schwerste Stück meiner Sammlung ist eine alte relaisgesteuerte Vorzimmeranlage. Die massive Konstruktion bringt schätzungsweise 10-15 Kilo auf die Waage. Leider befindet sich an der Anlage keinerlei Hinweis auf Hersteller oder Baujahr. Ich vermute aber, dass diese ebenfalls aus den 1950ern oder 1960ern stammen müsste.

Eine Vorzimmeranlage war früher in der Regel eine Unteranlage einer großen Nebenstellenanlage, an der die speziellen Telefone des Chefs und seiner Sekretärin(nen) angeschlossen waren. Damit konnten dann die typischen Funktionen genutzt werden, die heute noch als Chef-Sekretär-Funktion (CheSe) bekannt sind. Dazu gehören z.B. ein Besetztlampenfeld oder das Direktansprechen („Frau Müller bitte zum Diktat!“).

Die Anlage mit ihren vielen Relais und dem sauber verlegten Kabelbaum ist schon recht beeindruckend. Daher hatte ich mir schon lange vorgenommen, die Anlage an die Wand zu hängen, den Deckel durch eine transparente Plexiglas-Version zu ersetzen und die Relais-Reihen von hinten zu beleuchten. Vielleicht sollte ich das einfach mal machen.

Große Nebenuhr mit Klappziffern (Solari Udine Cifra 12)

Nebenuhr Solari Udine Cifra 12Eine weiteres großes Teil in meiner Sammlung ist eine sogenannte Nebenuhr (oder Tochteruhr) in einer Ausführung mit Klappziffern aus den 1970er Jahren. Diese Uhren wurden häufig in großen Betrieben oder öffentlichen Gebäuden eingesetzt, um eine synchronisierte Zeit anzuzeigen. Nebenuhren haben kein eigenes Uhrwerk, sondern in der Regel nur einen Schrittmotor, der von einer Haupt- oder Mutteruhr durch Signalimpulse gesteuert wird. Damit lassen sich viele Uhren parallel oder auch weitere Impulsempfänger, wie z.B. Stempeluhren oder ein Pausengong steuern.

Die Mechanik meiner Uhr von Solari Udine ist noch voll funktionstüchtig, nur leider fehlt die Frontscheibe. Eine Beleuchtung ist ebenfalls nicht vorhanden, die entsprechenden Aussparungen sowie Befestigungslöcher für eine kleine Leuchtstoffröhre sind aber vorhanden. Allerdings sieht es so aus, dass die Uhr schon immer ohne Beleuchtung betrieben wurde.

Falls mir jemand weitere Hinweise zu den abgebildeten Geräten geben kann, oder selber ähnliche Geräte hat, würde ich mich über Kommentare freuen.

Zugnummernschalter eingebaut
Zugnummernschalter eingebaut
Zugnummernschalter Seitenansicht ausgebaut
Zugnummernschalter Seitenansicht ausgebaut
EMD-Wähler von Vorne
EMD-Wähler von Vorne
EMD-Wähler von Hinten
EMD-Wähler von Hinten
Telerapid Rufnummernspeicher
Telerapid Rufnummernspeicher
Telerapid Anschaltplan auf der Unerseite
Telerapid Anschaltplan auf der Unerseite
Telerapid Impulsscheibe einzeln
Telerapid Impulsscheibe einzeln
Vorzimmeranlage
Vorzimmeranlage
Kabelbaum der Vorzimmeranlage
Kabelbaum der Vorzimmeranlage
Vorzimmeranlage aufgeklappt
Vorzimmeranlage aufgeklappt
Nebenuhr Solari Udine Cifra 12
Nebenuhr Solari Udine Cifra 12
Innenansicht der Solari Udine Cifra 12
Innenansicht der Solari Udine Cifra 12
Innenansicht Detail der Solari Udine Cifra 12
Innenansicht Detail der Solari Udine Cifra 12

Bisher 2 Kommentare

  1. vielweib

    29. November 2015, 21:25 Uhr

    ...und ich wollte schon schreiben: In welchem Museum kann man sich das anschauen? ;-)
    Danke für den Artikel - wieder etwas gelernt. Und dann sollte ich doch in das Kommunikationsmuseum in Berlin das nächste Mal ;-)
    LG Tanja

  2. Wolf

    Wolf

     

    9. November 2016, 00:19 Uhr

    Hallo Thomas, witzig, da sind doch so einige Parallelen... ich gehöre noch zu den "Fernmeldeelektroniggern"... hatte auch noch mit Brandmelde- und Alarmanlagen zu tun, ein bisschen Uhrenanlagen und ELA-Technik, vor allem aber auch Nebenstellen-Anlagen. Das Erstellen von Kabelbäumen mit gewachsten Garn auf einem Nagelbrett war da noch Bestandteil der Ausbildung. Das hat man dann danach alles eher lieblos aber praktischer mit Kabelbindern erledigt.
    Diverse Umzüge und zeitweise massiver Platzmangel haben allerdings die "Schätzchen" aus den alten Tagen stark reduziert. Ein unversehrter W48 ist übrig geblieben. Ich bin fast sicher, dass mein Vater noch so einiges in seinem Fundus hat, aber da ist es auch besser aufgehoben als bei mir. Ich versuche mich eher von den Dingen zu trennen, die mich schon Jahrzehnte begleiten "irgendwann kann ich das sicher noch brauchen..." und Freiräume zu schaffen. Aber wenn ich die obigen Bilder sehe muss ich schmunzeln. Eine große Bahnhofsuhr (natürlich defekt), einen Vermittlungsapparat und diverse Telefone aus allen Zeiträumen hatte ich viele Jahre gebunkert. selbst die Anschluß- und MT-Schnüre sind erst letztes Jahr rausgeflogen. Wer braucht so etwas heute noch? :-)
    Auch wenn die Feinmotorik einer alten Wählscheibe faszinieren ist, das Geräusch dass sie macht sogar zu einer App namens "Wählscheibe" inspiriert hat, ich habe einfach zu wenig Platz für solche Dinge.
    Umso spannender ist es, wenn man dann solche Sammlungen sieht oder das eine oder andere im Deutschen Museum in München bewundern kann.
    Dagegen war mein erster Computer (Amiga 1000) 1986 dann schon massivste Hightec! Und noch gut im Gedächtnis das Anwählen einer DFÜ-Verbindung über das Telefon und das Eindrücken des Hörers (damals hieß das in Amtsdeutsch "Handapparat") in die Manschette des Akustikkopplers... bei 300Baud... wenn man sich das heute vor Augen hält... :-D

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