Schützen gegen Homophobie

Schützen gegen Homophobie
Schützen gegen Homophobie

Schützenfest. Ein wichtiges Stück Heimatgefühl für mich. Wenn man nicht wie ich am Niederrhein aufgewachsen ist, kann man wahrscheinlich nicht verstehen, welchen Stellenwert das Schützenwesen hier hat. Jedes noch so kleine Dorf feiert einmal im Jahr sein eigenes Schützenfest. Und ich feiere eben mit meinen Freunden hier in Büttgen. Die meisten Schützenbruderschaften sind dabei dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) angeschlossen und für diese gelten die Grundsätze nach Glaube, Sitte und Heimat. Soweit so gut.

Mich persönlich interessieren dabei normalerweise die überregionalen Organisationen und deren Treiben recht wenig. Zumindest solange wir das Schützenfest bei uns im Ort ungestört feiern können und nicht Beschlüsse gefasst werden, die aus meiner Sicht verfassungsrechtlich nicht zu akzeptieren sind.

Worum geht es?

Vor drei Wochen hat der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften beschlossen, dass homosexuelle Schützenkönige und Schützenköniginnen zukünftig nicht mehr gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern als gleichgeschlechtliches Königspaar öffentlich auftreten dürfen.

In meinem Freundeskreis bzw. in meinem Schützenzug habe ich auch schwule Freunde und so ist das natürlich eine diskriminierende Entscheidung, die ich nicht mittrage. Aus meiner Sicht gibt es keinen Unterschied zwischen homosexuellen und heterosexuellen Mitmenschen. Das Gleiche gilt auch für Schützen. Warum sollte ein schwuler Mann kein Schützenkönig werden dürfen und seinen Freund oder Lebenspartner an seiner Seite haben? Das sehe ich als Diskriminierung an und es gibt diesem „Unterschied“ ein unverhältnismäßiges Gewicht.

Ich bin christlich erzogen worden und vermittle die christlichen Werte wie Nächstenliebe und Toleranz natürlich auch an meine Kinder weiter. Meine Kinder wissen, dass sie ihre Mitmenschen nicht aufgrund von Nationalität, Religion, Behinderung, Hautfarbe, Alter, Geschlecht oder sexueller Orientierung unterschiedlich behandeln dürfen. Für sie ist es daher auch völlig normal, dass einige meiner Freunde keine Frau oder Freundin haben, sondern mit einem Mann zusammen leben.

In unserem Schützenzug wurde der Beschluss des BHDS natürlich intensiv diskutiert und hat dazu geführt, dass wir eine Initiative gegen Homophobie und Diskriminierung im Schützenwesen gestartet haben. Dazu haben wir eine Website eingerichtet, Pressemitteilungen verschickt und verschiedene Verbände mit der Bitte um Unterstützung kontaktiert. Und natürlich nutzen wir Facebook und Twitter zur Bekanntmachung.

Auf der Website haben wir außerdem eine Online-Petition gestartet, bei der innerhalb von wenigen Tagen bereits über 250 Personen unterschrieben haben. Aber es müssen natürlich noch viel mehr werden. Und genau darum möchte ich Euch auch bitten. Bitte helft uns und unterzeichnet diese Petition ebenfalls.

Der Beschluss des BHDS hat natürlich auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) auf den Plan gerufen. In einem am 29. März 2012 veröffentlichten Rechtsgutachten kommt die ADS zum Ergebnis, dass der Beschluss des BHDS gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstößt und damit rechtswidrig ist. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die wir natürlich sehr begrüßen.

Leider scheint der BHDS aber recht merkbefreit zu sein. Denn dieser hat umgehend auf das Gutachten der ADS reagiert und eine Erklärung veröffentlicht in der keinerlei Einsicht erkennbar ist. Die dortigen Formulierungen finde sogar sehr arrogant.

Wie es aussieht müssen wir wohl erstmal weiter Unterschriften sammeln. Sollte es keine abschließende und eindeutige Rechtsprechung und somit die Rücknahme/Aufhebung des Beschlusses vom BHDS geben, werden wir die Petition mit den gesammelten Unterschriften direkt beim BHDS einreichen.

Es bleibt also spannend.

Nachtrag:
Heute (02.04.2012) ist ein Artikel über unsere Initiative in der NGZ erschienen.

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