Streaming-Box reloaded – Mein Amazon Fire TV ist da!

Amazon Fire TV
Amazon Fire TV

Vor auf den Tag fast genau drei Jahren hatte ich berichtet, wie begeistert ich vom Apple TV bin. Und das bin ich immer noch. Ich halte das Apple TV nach wie vor für einen – aus meiner Sicht – unverzichtbaren Teil im Heimkino- und Hifi-Setup. Und mit Streaming-Anbietern wie Watchever oder Netflix ist es sogar irgendwie noch unverzichtbarer geworden.

Amazon Fire TV

Und nun ist ein weiterer Player im Markt der Streaming-Boxen hinzu gekommen: Das Amazon Fire TV. Als Prime-Kunde hatte man zum Verkaufsstart die Möglichkeit, das Fire TV für nur 49,00 Euro zu bestellen. Da musste ich nicht lange überlegen. Auch wenn es in vielerlei Hinsicht einen durchaus vergleichbaren Funktionsumfang bzw. Anwendungsbereich wie das Apple TV hat, sollte es eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Insbesondere, da sich damit die durch Instant Video verteuerte Prime-Mitgliedschaft sinnvoller nutzen lässt. Genau das ist nämlich leider mit dem Apple TV nur sehr eingeschränkt möglich.

Am Montag wurde mein Fire TV dann endlich geliefert. Die Nachfrage bei Amazon war ja so groß, dass die Liefertermine beim Verkaufsstart innerhalb weniger Stunden um Wochen oder Monate nach hinten rutschten. Ursprünglich sollte mein Fire TV auch erst Anfang November geliefert werden, aber letzte Woche wurde mir plötzlich doch ein früherer Termin bestätigt.

Nun ist es also da. Es kommt sehr hochwertig verpackt daher – aber natürlich frustfrei, wie das bei Amazon genannt wird. Die Installation könnte ebenfalls nicht einfacher sein. Netzteil dran, HDMI- und Ethernet-Kabel (optional wäre natürlich auch WLAN möglich) dran und los gehts. Das Fire TV ist sofort und ohne weitere Konfiguration einsatzbereit, denn man bekommt es bereits mit dem eigenen Amazon-Account vorkonfiguriert geliefert. Nach dem ersten Start wird ein kurzes Einführungsvideo gezeigt und man kann die Kindersicherung aktivieren. Das war es auch schon.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Die Oberfläche hat ein Kacheldesign und auf der linken Seite ein Navigationsmenü. Alles sehr übersichtlich und so wie man es eigentlich erwartet. Man findet sich sofort zurecht. Was außerdem sehr positiv auffällt, ist die extrem flüssige Bedienung. Da spürt man sofort die zur Verfügung stehende Power der verbauten Chips. Wenn man mit gedrückter Taste durch das Film-Angebot scrollt, kann einem fast schwindelig werden. Die Bedienung des Apple TV wirkt dagegen fast etwas träge, obwohl ich diese absolut nicht als langsam einstufen würde.

Die Fernbedienung

Die mitgelieferte Fernbedienung liegt gut in der Hand und lässt sich blind bedienen. Als besonderes Feature bringt diese eine Sprachsteuerung mit. Das heißt in erster Linie eine Suchfunktion per Spracheingabe. Das funktioniert erstaunlich gut, benötige ich aber im Grunde nicht. Denn eigentlich möchte ich gar keine weitere Fernbedienung. Denn ich bin seit Jahren begeisterter Nutzer einer Logitech Harmony. Damit steuere ich sehr komfortabel mein gesamtes Heimkino.

Und damit kommen wir zum ersten Kritikpunkt. Das Amazon Fire TV wird nämlich nicht per Infrarot, sondern nur per Funk gesteuert. Dies ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, da man so auch ohne „Sichtkontakt“ steuern kann. Aber dennoch hätte man der Box einen zusätzlichen Infrarot-Empfänger spendieren können. Denn mit meiner Harmony One Fernbedienung komme ich da leider nicht mehr weiter. Entweder ich habe in Zukunft zwei Fernbedienungen – oder ich muss auf die neue Harmony Ultimate umsteigen, die auch per Funk steuern kann. Laut Logitech ist diese mit dem auch Fire TV kompatibel. Eigentlich möchte ich aber weder zwei Fernbedienungen, noch will ich in eine neue Harmony investieren.

Die Apps

Im Gegensatz zum Apple TV lässt sich der Funktionsumfang des Fire TV noch durch Apps erweitern. Neben Games (siehe unten) lassen sich insbesondere weitere Streaming-Apps installieren. Die populären Anbieter wie Netflix oder Watchever sucht man aber noch vergebens. Allerdings soll Netflix wohl kurzfristig zur Verfügung stehen und wird von Amazon ja auch bereits beworben. Da ich Netflix problemlos auf dem Apple TV nutzen kann, stört mich die fehlende App allerdings derzeit weniger.

Im Vorfeld ebenfalls groß beworben wurden auch die Mediatheken von ARD und ZDF. Diese sind zwar noch nicht vorinstalliert, aber das ist über den Appstore schnell und kostenfrei erledigt. Soweit so gut. Die Apps entsprechen vom Funktionsumfang in etwa dem, was man schon von den Mediathek-Websites oder den Smartphone- bzw. Tablet-Apps kennt.

Trotzdem kommen wir damit leider zur nächsten großen Enttäuschung, auch wenn diese wohl außerhalb direkten des Einflussbereichs von Amazon liegt. Denn die Bildqualität der über die Mediathek-Apps angebotenen Streams ist leider mehr als mau. Von HD-Streams kann man da nur träumen. Alle Sendungen, die ich bisher getestet habe, wurde mir in pixeligen, matschigen und mit Komprimierungs-Artefakten durchsetzten SD-Streams angezeigt. So macht das wirklich gar keinen Spaß! Die einzige Mediathek-App die ich gefunden habe, bei der man auf HD umschalten konnte, ist die von ARTE. Alles in allem aber dennoch sehr ernüchternd. Insbesondere, da damit groß geworben wurde.

Neben der Möglichkeit Prime Instant Video jetzt komfortabel nutzen zu können, waren die öffentlich-rechtlichen Mediatheken einer der Hauptgründe, warum ich zum Apple TV jetzt auch noch ein Fire TV angeschafft habe. Sehr schade.

Der Gamecontroller

Der größte Unterschied zum Apple TV ist sicherlich, dass das Fire TV auch als kleine Spielekonsole genutzt werden kann. Natürlich kann diese nicht mit einer PS4 oder einer XBOX mithalten, aber für jemanden wie mich, der kein Gamer ist und auch nie ernsthaft über die Anschaffung einer solchen Konsole nachgedacht hat, ein willkommenes Zusatzfeature.

Über den Amazon Appstore (direkt auf dem Fire TV oder über die normale Amazon-Website) lassen sich so verschiedene Spiele-Apps (kostenpflichtig oder kostenfrei) auf dem Fire TV installieren. Die Auswahl ist derzeit (noch) recht überschaubar, aber das wird sich in absehbarer Zeit sicherlich ändern.

Aus diesem Grund habe ich mir den optional erhältlichen Amazon Fire-Gamecontroller dazu bestellt. Dieser ist ebenfalls gut verarbeitet und liegt gut in der Hand. Zumindest soweit ich das beurteilen kann – Denn ich bin oder war wie gesagt noch nie ein Gamer. Jehova...

Der Gamecontroller kann natürlich auch als normale Fernbedienung für das Fire TV genutzt werden. Dazu befinden sich neben den typischen Gamer-Funktionen auch noch die Bedienelemente der normalen Fernbedienung an Bord.

Fire TV vs. Apple TV

Im direkten Vergleich der beiden Boxen ist das Fire TV irgendwie eine ziemlich freche Kopie des Apple TV. Es ist ein klein wenig größer, dafür aber etwas flacher als das Apple TV. Es hat die gleiche matte Oberfläche in der sich das hochglänzende Logo befindet. Die Seiten sind ebenfalls hochglänzend wie beim Apple TV. Das Gehäuse ist im Gegensatz zum Apple TV mit den runden Ecken allerdings quadratisch. Auch die Anschlüsse sind eigentlich identisch. Das Fire TV hat lediglich einen zusätzlichen USB-Port, der in der Anleitung aber als ungenutzt vermerkt ist. Außerdem hat es im Gegensatz zum Apple TV ein externes Steckernetzteil. Und natürlich hat das Fire TV auch die kleine weiße Status-LED auf der Vorderseite. Insgesamt finde ich das schon irgendwie dreist...

Und sonst? Die größten Unterschiede – Der Einsatz als Spielekonsole und die Erweiterbarkeit durch Apps – habe ich oben schon aufgeführt. Das fehlt dem Apple TV auf jeden Fall noch. Ich vermute aber, dass Apple hier sicher noch nachlegen wird. Immerhin ist das Apple TV in der aktuellen Ausführung (abgesehen vom Update auf 1080p) schon über drei Jahre alt. Hier kann das Fire TV definitiv punkten. Aber auch das Fire TV ist noch nicht perfekt. Die Apps der wichtigsten Streaming-Anbieter fehlen noch und die Mediatheken sind eine echte Enttäuschung.

Fazit

Mein Fazit fällt daher vorerst durchwachsen aus. Das Fire TV ist ein leistungsfähiges Stück Hardware, kann aber meiner Meinung nach das Apple TV nicht ersetzen. Insbesondere wenn man diverse andere Geräte aus der Apple-Welt – insbesondere ein iPhone/iPad – im Einsatz hat, ist das Apple TV weiterhin unverzichtbar, weil es einfach zuverlässig funktioniert und nahtlos in diese Welt integriert ist. Das Amazon Fire TV ist aber eine durchaus sinnvolle Ergänzung, vor allem wenn man davon ausgehen kann, dass einige „Kinderkrankheiten“, wie fehlende Streaming-Apps oder das überschaubare Angebot an Spielen in absehbarer Zeit behoben werden.

Amazon Fire-Gamecontroller
Amazon Fire-Gamecontroller
Fire TV und Apple TV im Vergleich
Fire TV und Apple TV im Vergleich

Bisher 4 Kommentare

  1. Sven

    9. Oktober 2014, 16:42 Uhr

    Hmmm... klingt nach ner nicht ganz ausgereiften Alternative zum Apple TV. Ich hab bisher auf Raspberry Pi mit XBMC gesetzt und bin damit rundum zufrieden. Einschliesslich der Streaming Kanäle/Apps, die sich leicht zufügen lassen. Aber man vermisst auch nicht, was man nicht kennt.

  2. Phil
    Phil

     

    13. Oktober 2014, 14:36 Uhr

    Außer fürs teure Prime Instant Video nicht wirklich zu gebrauchen. Zocken wird damit wohl nicht wirklich jemand. Dazu: USB nicht für Speichermedien nutzbar, kein Abspielen von lokalen Medien oder Anschluss ans Heimnetzwerk ohne Umweg möglich, kein Browser, aktuell nicht rootbar, stark beschränkte App-Auswahl etc. etc.

    Da bleibe ich lieber bei meiner Android 4.4 TV Box (Orbsmart S82). Die ist nicht komplett auf das Amazon-Angebot zugeschnitten und XBMC & Netflix ist auch schon vorinstalliert.

  3. Stephan
    Stephan

     

    18. Oktober 2014, 16:28 Uhr

    War die Harmony Ultimate nicht vor der One da?
    Mit der Ultimate funktioniert es aber wunderbar, auch das Smart Keyboard bzw. die Harmony app mit tastatur Eingabe funktionieren am firetv wunderbar.

  4. Thomas Mielke

    18. Oktober 2014, 16:39 Uhr

    @Stephan: Ich habe meine Harmony One Anfang 2010 gekauft. Da war das (abgesehen von diesem quadratischen Riesendings) das Spitzenmodell. Davor hatte ich eine Harmony 785, die hatte nur leider einen Sturz nicht überlebt...

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