ZANO-Drohne: Das wird dann wohl leider nichts mehr...

Der ZANO-Drohnen-Fail (Hintergrundbild: Torquing Group)
Der ZANO-Drohnen-Fail (Hintergrundbild: Torquing Group)

Fast genau ein Jahr ist es her, dass ich die kleine ZANO-Drohne bei Kickstarter ge-Crowdfunded habe. Das Projekt wirkte sehr vielversprechend und ausgereift. Nun wurde aber bekannt gegeben, dass Insolvenz anmeldet und das Projekt somit gestoppt wurde.

Wie konnte es dazu kommen?

Die Kickstarter-Kampagne der Torquing Group wurde im November letzten Jahres gestartet und bereits nach wenigen Tagen wurde das selbst gesteckte Mindestziel von 125.000 britischen Pfund erreicht. Im Januar diesen Jahres konnte die Finanzierung dann erfolgreich mit der Endsumme von 2.335.119 britischen Pfund abgeschlossen werden. Damit war es das bis heute erfolgreichste Kickstarter-Projekt in Europa und gehört zu den 20 erfolgreichsten Kickstarter-Kampagnen überhaupt. Viel besser hätte es also eigentlich gar nicht laufen können.

Auch danach schien alles prima weiter zu laufen. Über die Kickstarter-Website wurde man mit regelmäßigen Updates über den Status des Projektes versorgt. Es gab Einblicke in den Stand der Entwicklung, ausführliche Videos und vieles mehr. Also genau so, wie man sich das von einem solchen Projekt wünscht.

Ursprünglich war die Fertigstellung und die Auslieferung für Juni diesen Jahres vorgesehen. Dieser Termin konnte allerdings leider nicht gehalten werden. Das Projekt war durch die überaus erfolgreiche Kickstarter-Kampagne einfach viel umfangreicher geworden und natürlich gab es noch ein paar unvorhersehbare Hürden zu nehmen. Das finde ich allerdings ehrlich gesagt nicht weiter problematisch. Bisher hatte ich noch kein Kickstarter-Projekt, das pünktlich fertig gestellt wurde. Und selbst große und erfahrene Unternehmen können ihre eigenen Auslieferungstermine nicht immer einhalten.

Erst vor einem Monat wurden die finalen Termine für die Auslieferung genannt. Demnach hätte ich meine ZANO-Drohne Ende Januar bekommen sollen. Und nun das. Ein kurzes und knappes „Official Statement“ bei Kickstarter, dass nun alles vorbei ist. Bäng!

Viel mehr war nicht zu erfahren. Keine konkreten Gründe. Nichts.

Inzwischen habe ich erfahren, dass die ersten 500 ZANO-Drohnen die für Beta-Tester vorgesehen waren, nicht an Kickstarter-Backer, sondern an ganz normale Pro-Order-Kunden verschickt wurden. Warum das gemacht wurde bleibt unklar. Wie man von einigen der Beta-Tester allerdings inzwischen erfahren konnte, scheint es wohl sehr viele technische Probleme zu geben. Bereits letzte Woche wurde auf BBC News ein Bericht über die ZANO-Krise veröffentlicht.

Kickstarter äußert sich nicht

Natürlich ist mir klar, dass bei der Investition in eine Kickstarter-Kampagne das Risiko besteht, dass diese auch nach der erfolgreichen Finanzierung nicht zum Abschluss gebracht werden kann. Dafür kann es sehr unterschiedliche Gründe geben und man sollte sich die Kampagne natürlich vorher genau ansehen, um zu beurteilen, wie realistisch die Umsetzung sein kann.

Ich habe schon sehr interessante Projekte gesehen, bei denen ich aber Bedenken hatte. Ebenso habe ich auch haarsträubende Projekte gesehen, bei denen ich schon auf dem ersten Blick dachte, warum andere da freiwillig investieren. Kickstarter ist eben kein Onlineshop, in dem man ein fertiges Produkt bestellt, sondern man unterstützt eine Idee, aus der im Idealfall ein fertiges Produkt wird.

Insgesamt habe habe ich bisher acht Projekte bei Kickstarter unterstützt. Die bekanntesten davon dürften wohl die beiden Pebbles sein. Nicht bei allen Projekten ist alles Glatt gelaufen, Verzögerungen gab oder gibt es bei allen. Drei Projekte sind noch offen. Neben der ZANO-Drohne warte ich noch auf ein Ladekabel, das aber wohl in Kürze versendet werden soll und das traurigste Projekt ist eine weitere Smartwatch, die ich vor über zweieinhalb Jahren unterstützt habe und die sicher nie mehr hier ankommen wird. In diesem Fall würde ich ganz klar von Betrug ausgehen. Schade nur, dass man das erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist. Die umgerechnet ca. 250 € für die Smartwatch und die ebenfalls ca. 250 € für die Drohne kann ich also abschreiben. Tja.

Dass man dabei im Prinzip kaum Möglichkeiten hat, das investierte Geld zurück zu bekommen, ist auch nachvollziehbar. Auch über den Kreditkarten-Anbieter oder die Hausbank lässt sich da nicht mehr viel machen. Die Zeit, die seit der Belastung der Karte vergangen ist, ist einfach viel zu lang, als dass man da noch eine Rückbuchung veranlassen könnte.

Kickstarter selber schließt eine Haftung ebenfalls aus. Leider aber äußert sich Kickstarter in Fällen wie diesen aber gar nicht. Obwohl Kickstarter aus meiner Sicht gerade durch solche großen Projekte wie der ZANO selber Schaden nehmen kann. Das Vertrauen in Crowdfunding-Plattformen sinkt enorm, wenn hier viele Tausend Kickstarter-User geprellt werden. Mal sehen ob da noch was passiert.

Tja, und auf meine Drohne werde ich dann wohl vergeblich warten.

Update (24.11.2015):

Kickstarter hat sich nun doch in einer offiziellen Mail an alle ZANO-Backer gewandt. Allerdings steht da nicht viel Gehaltvolles drin. Man fände das auch sehr schade (Bla bla), und hätte die Torquing Group noch einmal per Mail zu einem Statement aufgefordert. Wenn nicht geantwortet wird, dann würde die Torquing Group von Kickstarter ausgeschlossen und dürfe keine weiteren Projekte starten. Da musste ich laut lachen... Und natürlich hat Kickstarter noch einmal ausführlich auf die eigenen Terms & Conditions hingewiesen, in denen eine Haftung oder Rückerstattung seitens Kickstarter ausgeschlossen wird. Aber das hätte man sich auch sparen können.

Ein weiterer Schlag ins Gesicht der Backer.

Bisher 2 Kommentare

  1. DerHuette
    DerHuette

    @DerHuette

    25. November 2015, 16:56 Uhr

    Ja, wirklich sehr ärgerlich. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man da wirklich nichts machen kann, weil es ja die kickstarter terms and conditions gibt. Wenn es sich bei der zano Drohne um einen Betrug handelt, und einiges deutet darauf hin, gibt es auf jeden Fall straf- und zivilrechtliche Konsequenzen.

  2. Thomas Mielke

    25. November 2015, 16:57 Uhr

    @DerHuette: Wenn ich in Großbritannien wohnen würde, dann würde ich wahrscheinlich rechtlich gegen die Torquing Group vorgehen. Aber so über die Grenzen hinweg ist mir das derzeit ehrlich gesagt zu aufwendig....

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