Mein Rundflug mit der Ju 52 - „Tante Ju“ – Ein Bericht

Tante Ju - HB-HOY
Tante Ju - HB-HOY

Seit vielen Jahren beobachte ich die Flüge der legendären „Tante Ju“ (Junkers Ju 52/3m), die an einigen Wochenenden im Jahr vom Flughafen Mönchengladbach zu Rundflügen startet. Meist fliegt sie angetrieben von drei BMW-Sternmotoren laut dröhnend direkt an Büttgen vorbei, so dass wir sie aus unserem Garten beobachten können. Fasziniert von einem so alten und schönen Stück Technik reifte dann der Wunsch, irgendwann einmal selbst so einen Rundflug zu machen.

Dieser Wunsch wurde mir jetzt von meiner Familie als Geschenk zur Vollendung meines vierten Jahrzehnts erfüllt. Es war eine wirkliche Überraschung mit der ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Die Vorfreude war also riesig und so habe ich den Gutschein in eine verbindliche Flugbuchung umgewandelt.

Gestern war es dann endlich soweit. Ich hatte mir extra einen Termin im Mai ausgesucht in der Hoffnung auf gute Sicht und schönes Wetter. In den letzten Tagen habe ich ständig auf die Websites diverser Wetterdienste geschaut, denn in den vergangen drei Wochen hatten wir keinen nennenswerten Niederschlag. Aber natürlich wurden genau für den Tag meines Fluges starke Gewitter vorhergesagt. Der Regenradar der WeatherPro-App meines iPhones war also den ganzen Tag mein ständiger Begleiter in der Hoffnung auf ein passendes Wolkenloch für die Flugzeit.

Der Flug war für 17:00h vorgesehen und man sollte spätestens 30 Minuten vorher in der Abflughalle sein, um das Ticket abzuholen. So sind wir bereits gegen 16:00h zum Flughafen gefahren. Das Café des Flughafens war mit Schaulustigen gut gefüllt, denn die „Tante Ju“ war im stündlichen Rhythmus zu Rundflügen unterwegs. Da sich die anderen Flüge aufgrund der Witterung bereits um 20 Minuten nach hinten verschoben hatten, konnten wir auch noch den Start des 16h-Fluges beobachten. Sehr beeindruckend war zu sehen, nach welcher kurzen Strecke die Ju 52 bereits vom Boden abhob.

Meine Aufregung stieg. Aufregung – keine Flugangst, denn damit habe ich im Gegensatz zu meiner Frau kein Problem, die mich aus diesem Grund auch leider nicht begleitet hat. Wenig überraschend waren fast nur männliche Zeitgenossen unter den 16 Fluggästen, die mit umfangreichem Foto- und Video-Equipment bewaffnet waren. Wir durften dann bereits während der Landung der 16h-Maschine auf das Flugfeld. Sobald die Motoren der Maschine abgestellt waren, konnten wir uns die alte Dame aus der Nähe ansehen und natürlich fotografieren. Ein richtiges Wolkenloch hatte sich leider noch nicht aufgetan, allerdings gab es sonst keinen Hinderungsgrund für den baldigen Start.

Dann ging es an Bord der HB-HOY, wo wir von unserem Flugbegleiter begrüßt wurden, der neben den beiden Piloten an Bord war. In der Maschine war es sehr eng, es gab links und rechts jeweils nur Einzelsitze und so gut wie keine Beinfreiheit. Nicht einmal mein Fotorucksack fand Platz. Diesen musste ich während des Starts im hinteren Teil der Maschine deponieren. Ansonsten machte der Passagierraum einen fabrikneuen Eindruck.

Nach einer kurzen Einweisung und den obligatorischen Sicherheitshinweisen ging es schon los. Die drei Motoren der Junkers wurden angelassen und fingen laut an zu dröhnen. Das Unterhalten während des Fluges war also so gut wie ausgeschlossen. Da es derzeit in Mönchengladbach keinen Linienbetrieb gibt, gab es keine Wartezeit und die Maschine rollte sofort zur Startbahn und gab Vollgas. Wow! Wie schon beim vorherigen Start zu beobachten war, brauchte die Ju nur eine kurze Strecke und hob fast unbemerkt ab. Bis auf das laute Dröhnen der Motoren und das damit verbundene Vibrieren der ganzen Maschine lag diese unglaublich ruhig in der Luft.

Eine Flugroute gab es nicht. In der geplanten Flughöhe von 600 Metern wurde mit einer Geschwindigkeit von ca. 180 Stundenkilometern einfach in Richtung des besten Wetters geflogen. Sobald der Steigflug beendet war durften wir uns abschnallen und frei im Flugzeug bewegen. Inklusive Besuch des Cockpits. Es war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis zwischen den beiden Piloten zu stehen und direkt vorne aus der Maschine zu schauen! Die Route führte uns unter anderem in Richtung Köln, wo wir direkt über die Innenstadt flogen und einen schönen Bogen um den Kölner Dom drehten.

Ansonsten habe ich mich ehrlich gesagt nicht weiter mit der Flugroute beschäftigt, denn im Grunde ging es ja nicht primär um die Aussicht, sondern um das Erleben des Fluggerätes. Auch wenn es toll ist, dass man aus den Fenster fast senkrecht nach unten schauen kann, was bei den kleinen und dicken Fenstern moderner Flugzeuge ja quasi nicht möglich ist. Im Vergleich zu einem modernen Flugzeug ist das eben auch der Unterschied, dass man so ein altes Flugzeug viel mehr erleben und erfühlen kann. Man fühlt sich darin auch viel weniger der Technik ausgeliefert, das ist noch echtes Fliegen und nicht „Beamen“ von A nach B. Der Weg ist das Ziel.

Nach ca. 45 Minuten war dann leider schon wieder alles vorbei und die Alte Dame landete butterweich und wieder fast unbemerkt auf der Landebahn. Auf dem Rollfeld durften wir dann nochmal ein Bilder machen, mussten dieses aber bald räumen, denn die Fluggäste des 18h-Fluges warteten schon.

Ich hatte mir vorab vorgenommen, möglichst viel zu Twittern und auch ein paar Live-Streams direkt aus der Luft ins Web zu stellen, aber irgendwie bin ich kaum dazu gekommen, weil ich einerseits das Erlebnis genießen wollte und es zum anderen im Flugzeug auch fast keinen Empfang gab. Ich habe vorher nicht gefragt, aber ich bin einfach davon ausgegangen, dass es an Bord eines so alten Flugzeugs nicht notwendig ist, Mobiltelefone abzuschalten. Zwei Live-Streams sind dann aber doch entstanden und können bei Qik angesehen werden:

Fotos habe ich natürlich sehr viele gemacht, auch wenn die Ausbeute aufgrund des Wetters leider nicht so überzeugend war. Sofern ich Zeit habe und das Wetter mitspielt, werde ich sicherlich beim nächsten Flugtermin noch einmal zum Flughafen fahren und den Start und die Landung fotografisch festhalten.

Es war ein wirklich geniales Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde.

Mein Ticket
Mein Ticket
Im Passagierraum
Im Passagierraum
Im Cockpit
Im Cockpit
Blick aus dem Fenster
Blick aus dem Fenster
Auf dem Flugfeld
Auf dem Flugfeld

Bisher 3 Kommentare

  1. Piet

    Piet

     

    29. Oktober 2012, 22:22 Uhr

    Herzlichen Dank für den schönen Bericht!
    Jetzt ist klar, was mein Vater zu seinem 85. Geburtstag geschenkt bekommt! ;-)
    Lieben Gruß,
    Piet

  2. Heinz Burkhardt

    Heinz Burkhardt

     

    6. Dezember 2013, 09:24 Uhr

    Habe es schon zweimal hinter mir. Es war jedes mal eine tolle Sache

  3. Anna

    Anna

     

    20. Dezember 2014, 18:09 Uhr

    Wunderbare Bilder! Ich bin interessiere mich auch für Rundflüge, allerdings frage ich mich, ob es sich eher lohnt einen Flug mit einem kleinen Flugzeug wie hier zu buchen oder eher einen Helikopterrundflug. (ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich in der Schweiz wohne). Ich hab da leider noch keine Erfahrung gesammelt!

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