Nintendo: Trotz falscher Informationen keinerlei Kulanz oder Rücknahme

Splatoon 2: Trotz falscher Informationen keinerlei Kulanz oder Rücknahme
Splatoon 2: Trotz falscher Informationen keinerlei Kulanz oder Rücknahme

Gut ein Jahr haben wir jetzt die Nintendo Switch und spielen darauf mit Begeisterung vor allem die Spiele aus der Super-Mario-Reihe. Insbesondere Mario Kart spiele ich gerne zusammen mit den Kids. Wir haben vier Joy-Cons, können also zu zwei oder zu viert gemeinsam gegeneinander fahren. Ein Riesenspaß.

Splatoon 2

Auch einige Freunde haben eine Switch und so sehen die Kids dort auch schon mal andere Spiele, die wir nicht haben. Zuletzt hatten sie Splatoon 2 bei Freunden gespielt und wollten das natürlich jetzt auch haben. Das Spiel war nun kürzlich im Nintendo-eShop im Angebot und so haben die Kinder ihr Taschengeld zusammengelegt und mich so lange bequatscht, bis ich nachgegeben habe. Denn eigentlich war ja gerade erst Weihnachten...

Nun gut. Also habe ich mir das Spiel auf der Nintendo-Website mal genauer angesehen. Das Spielkonzept hörte sich durchaus spaßig an. Im Prinzip muss man dabei mit Farbpistolen eine möglichst große Fläche in der virtuellen Umgebung mit seiner Farbe zu bespritzen – eben mehr als die Gegenspieler. Die Kids hatten mich also überzeugt und ich habe das Spiel im eShop gekauft.

Die Ernüchterung

Nach dem Download und dem Demo-Trainings-Level kam aber die erste große Ernüchterung. Denn wir wollten ja gegeneinander spielen. Aber wie verbindet man einen zweiten Controller bzw. weitere Joy-Cons? Wir haben zwar ein kleines Single-Player-Level gefunden, aber ein Mehrspieler-Modus war nicht aufzufinden. Im Gegenteil, Nintendo forderte uns auf, einen Online-Account zu verbinden und wollte dafür sogar noch monatliche Gebühren haben. Hallo??? Ich habe gerade ein Spiel gekauft und jetzt wollt Ihr noch mehr Geld?

Kein lokaler Mehrspieler-Modus – Ein reines Online-Spiel

Abgesehen davon will ich gar nicht online mit anderen spielen (die ich gar nicht kenne) und vor allem möchte ich nicht, dass meine Kinder online mit irgendwelchen Fremden spielen! Das Spiel ist FSK6, das möchte ich bitte Zuhause zusammen mit meinen Kids spielen können! Genauso wie Mario Kart oder Ähnliches.

Ich habe ja kein Problem damit, dass ein Spiel auch online spielbar ist. Aber dass man ausschließlich online spielen kann, geht gar nicht! In der Hochglanzwerbung von Nintendo wird so etwas natürlich verschwiegen, bzw. möglichst uneindeutig formuliert – „Spiele zusammen mit Deinen Freunden“. Im Kleingedruckten finden sich nur ein paar kurze Hinweise dazu. Sorry, aber das ist Verschleierung und grenzt für mich schon fast an Betrug! Bei einen Spiel, das als FSK6 eingestuft ist, gehört ein eindeutiger und gut sichtbarer Hinweis in die Beschreibung, aus dem ganz klar hervorgeht, dass es sich um ein reines Online-Spiel handelt und dass man nicht lokal zusammen spielen kann.

Lokaler Mehrspieler-Modus nur mit mehreren Konsolen

Meine weitere Recherche ergab dann, dass es doch einen lokalen Mehrspieler-Modus gibt. Dazu benötigt man aber je Spieler eine weitere komplette Switch-Konsole und nochmal das Spiel... Ja nee, is klar!

Die Kinder waren natürlich total enttäuscht, weil sie so viel Geld für ein Spiel ausgegeben hatten, das sie gar nicht zusammen spielen können. Nutzbar ist im Prinzip nur das kleine Single-Player-Level. Dort kann man aber nur ein paar Aufgaben lösen und nicht gegen einen Bot oder Ähnliches spielen.

Der Rückgabeversuch

Nach Absprache mit den Kids wollte ich also von meinem Widerrufsrecht Gebrauch machen und den Kauf des Spiels rückgängig machen. In der Bestätigungsmail des eShops wird das Widerrufsrecht auch großzügig ausgewiesen – Vierzehn Tage, auch ohne Angabe von Gründen, so wie es ja auch vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist.

Geht nicht weil geht nicht

Also habe ich bei der Nintendo-Hotline in Frankfurt angerufen und wurde ohne größere Umschweife auf die Widerrufsbedingungen verwiesen. Ein Widerruf bei Käufen im eShop sei nicht möglich und dass ich ja beim Kauf auch angeklickt hätte, auf mein Widerrufsrecht zu verzichten. Auch meine Ausführungen zu den fehlerhaften oder zumindest verschleierten Infos bezüglich des fehlenden Mehrspieler-Modus wurden ignoriert. Der Mitarbeiter zeigte wenig Verständnis und war auch sonst nicht gerade freundlich: „Da hätten Sie die Spielbeschreibung vorher genauer lesen müssen“. So ein absolut inkulantes Gehabe und das sture Beharren auf Vertragsklauseln habe ich echt noch nicht erlebt!

Rein rechtlich gesehen

Nach erneuter Recherche muss ich allerdings zugeben, dass es in der Tat einen ganz kleinen Absatz in der Widerrufsbelehrung gibt, in dem auf den Verlust des Widerrufrechts beim Kauf von digitalen Inhalten hingewiesen wird. Aber sowas überliest man auch mal schnell. Abgesehen davon, dass man sich ja meist AGBs, Datenschutz-, Cookie-Hinweise oder Ähnliches gar nicht oder nur noch oberflächlich durchliest, geschweige denn vollumfänglich versteht. Mit Glück schafft man es bei einer Online-Bestellung ja meist gerade noch, den Newsletter NICHT mitzubestellen.

Daher habe ich sicher auch bei der Bestellung im Nintendo-eShop das entsprechende Häkchen gesetzt, mit dem ich rein rechtlich auf mein Widerrufsrecht verzichte. Problem ist nur, dass dieser Häkchen-Text genauso aussieht, wie jede beliebige AGB-Bestätigung in jedem beliebigen anderen Online-Shop eben auch.

Ein weiterer Versuch

Hier ist nur von zusätzlichen Controllern, nicht kompletten Konsolen die RedeNach der erneuten Lektüre der Spielbeschreibung auf der Nintendo-Website habe ich meinen Widerrufswunsch noch einmal per E-Mail formuliert. Denn interessanterweise findet sich dort ein Hinweis, dass für den Mehrspieler-Modus pro Spieler nur ein weiterer Controller benötigt wird. Von einer weiteren Konsole mitsamt einer weiteren Version des Spiel ist eben nicht die Rede.

Antwort von NintendoTrotz des Hinweises in der Eingangsbestätigung auf eine Antwort innerhalb von 24 Stunden, hat sich der Kundenservice fast vier Tage Zeit gelassen, um mir zu antworten. In der vermutlich aus Textbausteinen zusammengebauten Mail wird aber auch wieder nur sehr ausführlich auf die Vertragsbedingungen und mein verlorenes Widerrufsrecht eingegangen – Kurz zusammengefasst: Selber Schuld, Pech gehabt. Mein Hinweis zur fehlerhaften Spielbeschreibung wurde natürlich ignoriert.

Kundenservice ohne Kundenservice

So geht also Kundenservice und so will man für zufriedene Kunden sorgen? Leider nein, leider gar nicht! Mir ist natürlich völlig klar, dass Nintendo rein juristisch betrachtet im Recht ist. Das werden viele teure Anwälte alles abgesegnet haben. Aber ist das aus unternehmerischer Sicht wirklich sinnvoll, immer so energisch auf sein Recht zu beharren? Würde ein wenig mehr Kulanz nicht viel mehr bringen? Andere machen es doch vor, wie einfach es ist, viele zufriedene Kunden zu haben, wenn man auch mal Kulanz walten lässt.

Hätte mir Nintendo den Kaufpreis zurückerstattet oder einen Gutschein für den eShop ausgestellt, dann wäre mein Zufriedenheitsfaktor sicherlich hoch und ich hätte für das Geld einfach anderes Spiel gekauft. Vermutlich hätte ich in Zukunft auch weitere Spiele über den eShop gekauft. Aber genau das werde ich in absehbarer Zeit sicherlich nicht machen. Ich bin nach wie vor sauer und unzufrieden. Danke Nintendo. Es war ein tolles Kauferlebnis.

Meinen Kindern habe ich den Kaufpreis, den sie von ihrem Taschengeld bezahlt haben, natürlich zurück gegeben. Damit können sie sich etwas anderes kaufen – Aber mit Sicherheit kein Spiel für die Nintendo Switch.

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